Schlitzblättrige Brombeere (Rubus laciniatus): Unterschied zwischen den Versionen
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»Rubus« indogermanische Wurzel reub - reißen (Strauch an dem man sich reißt), »laciniatus« lat. zerschlitzt, schlitzblättrig | »Rubus« indogermanische Wurzel reub - reißen (Strauch an dem man sich reißt), »laciniatus« lat. zerschlitzt, schlitzblättrig, Erstbeschreibung durch Carl Ludwig Willdenow (1765-1812) deutscher Botaniker | ||
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Evergreen Blackberry | Evergreen Blackberry | ||
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Nördliches Zentraleuropa | Nördliches Zentraleuropa | ||
==== Wuchs==== | ==== Wuchs==== | ||
ausdauernd, kräftiger Wurzelstock, horstig, bis 5m lange Triebe bildend, stachellos, handförmig geteilte Blätter, Blattteile gezähnt, gelegentlich wieder zurückwildernd, dann stark bestachelt | ausdauernd, kräftiger Wurzelstock, horstig, bis 5m lange Triebe bildend, stachellos, handförmig geteilte Blätter, Blattteile gezähnt, gelegentlich wieder zurückwildernd, dann stark bestachelt, Triebspitzen bewurzeln, wenn sie die Erde berühren | ||
====Standort==== | ====Standort==== | ||
sonnig bis halbschattig, nahrhafter eher feuchter Boden | sonnig bis halbschattig, nahrhafter eher feuchter Boden | ||
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grün überwinternd, im Frühjahr altes Laub abwerfend | grün überwinternd, im Frühjahr altes Laub abwerfend | ||
====Tierische Besucher==== | ====Tierische Besucher==== | ||
Bestäubung hauptsächlich durch Bienen und Hummeln, die Beeren sind bei Vögeln, aber auch Kleinsäugern beliebt, bleibt die Pflanze unbeschnitten bildet sie ein Dickicht, das Zuflucht und Nistgelegenheit für verschiedene Vögel bildet | Bestäubung hauptsächlich durch Bienen und Hummeln, die Beeren sind bei Vögeln, aber auch Kleinsäugern beliebt, bleibt die Pflanze unbeschnitten bildet sie ein Dickicht, das Zuflucht und Nistgelegenheit für verschiedene Vögel bildet, einige Bienenarten bauen ihre Nester in trockene Brombeerruten, wo sie nicht stören, sollten abgestorbene Ruten stehen bleiben | ||
====Pflege==== | ====Pflege==== | ||
Rückschnitt nach der Ernte oder im Frühjahr, hochbinden der Triebe | Rückschnitt nach der Ernte oder im Frühjahr, hochbinden der Triebe, auf etwa 2m gestutzte Triebe bringen eine bessere Ernte, da die Früchte an den Enden der Langtriebe häufig nicht ausreifen | ||
====Verwendbare Teile==== | ====Verwendbare Teile==== | ||
Beeren frisch oder verarbeitet, Blätter überzähliger Neutriebe ergeben fermentiert einen leckeren Tee | Beeren frisch oder verarbeitet, Blätter überzähliger Neutriebe ergeben getrocknet (und eventuell fermentiert) einen leckeren Tee | ||
====Inhaltsstoffe==== | ====Inhaltsstoffe==== | ||
Vitamine, Ballaststoffe, Flavonoide, Fruchtsäuren, Mineralstoffe | Vitamine, Ballaststoffe, Flavonoide, Fruchtsäuren, Mineralstoffe | ||
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====Literatur==== | ====Literatur==== | ||
====Geschichte und Geschichten==== | ====Geschichte und Geschichten==== | ||
Ein bisschen ungewöhnlich sieht sie ja aus, diese Brombeere mit ihren eigenartig tief geschlitzten Blättern. Sie bildet mit den Jahren einen dichten horstigen Bestand, breitet sich nur raumgreifender aus, wenn ihre langen Triebe den Boden berühren und sich bewurzeln können. Die dornenlose Kulturform treibt pro Jahr nur eine überschaubare Zahl von neuen Ruten und lässt sich gut im Zaum halten. Gelegentlich treten aber Wildtriebe auf, die schnell beseitigt werden sollten, da sie unangenehm stachelig sind. Die von Ende Juni bis Ende August dauernde Blüte wird von vielen unterschiedlichen Bienen und Hummeln besucht. Meist dauert sie länger als die Blüte anderer Brombeerarten, was dazu führt, dass die Beeren nicht immer genug Zeit haben, um auszureifen. Ab Mitte September werden die Tage zu kurz und die Sonnenwärme reicht nicht mehr aus. Bereits während der Fruchtentwicklung treibt die Pflanze wieder aus, die kantigen Ruten sind am Ansatz gut zwei Zentimeter dick und wachsen sehr schnell. Die ersten zwei Meter gehen steil in die Höhe, danach bildet sich ein Bogen und nach drei bis fünf Metern senkt sich die Spitze wieder zu Boden, wenn sie nicht irgendwo aufgehalten wird. Überzählige Triebe können schon im Frühherbst weg genommen werden, dann sind die Blätter noch recht weich und lassen sich zu einem schmackhaften Tee verarbeiten. | Ein bisschen ungewöhnlich sieht sie ja aus, diese Brombeere mit ihren eigenartig tief geschlitzten Blättern. Sie bildet mit den Jahren einen dichten horstigen Bestand, breitet sich nur raumgreifender aus, wenn ihre langen Triebe den Boden berühren und sich bewurzeln können. Die dornenlose Kulturform treibt pro Jahr nur eine überschaubare Zahl von neuen Ruten und lässt sich gut im Zaum halten. Gelegentlich treten aber Wildtriebe auf, die schnell beseitigt werden sollten, da sie unangenehm stachelig sind. Die von Ende Juni bis Ende August dauernde Blüte wird von vielen unterschiedlichen Bienen und Hummeln besucht. Meist dauert sie länger als die Blüte anderer Brombeerarten, was dazu führt, dass die Beeren nicht immer genug Zeit haben, um auszureifen. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, die Langtriebe deutlich einzukürzen, dadurch entstehen zwar etwas weniger Blüten, die Früchte reifen aber schneller aus. Ab Mitte September werden die Tage zu kurz und die Sonnenwärme reicht nicht mehr aus. Bereits während der Fruchtentwicklung treibt die Pflanze wieder aus, die kantigen Ruten sind am Ansatz gut zwei Zentimeter dick und wachsen sehr schnell. Die ersten zwei Meter gehen steil in die Höhe, danach bildet sich ein Bogen und nach drei bis fünf Metern senkt sich die Spitze wieder zu Boden, wenn sie nicht irgendwo aufgehalten wird. Überzählige Triebe können schon im Frühherbst weg genommen werden, dann sind die Blätter noch recht weich und lassen sich zu einem schmackhaften Tee verarbeiten. Für eine kernlose Marmelade werden die Früchte kurz erhitzt bis sie zerfallen und dann durch ein Sieb gestrichen. An den Kernen haftet dann immer noch einiges an Fruchtfleisch, das zu schade ist, um es wegzuwerfen. Die Masse kann auf ein Backpapier gestrichen bei niedriger Temperatur im Ofen getrocknet werden und ergibt mit heißem Wasser aufgegossen einen leckeren Früchtetee. | ||
====Kulinarisches==== | ====Kulinarisches==== | ||
Brombeerblättertee | Brombeerblättertee (fermentiert) | ||
* beim Schnitt im Sommer oder Frühherbst anfallende junge Triebe | * beim Schnitt im Sommer oder Frühherbst anfallende junge Triebe | ||
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* Stiele und unschöne Teile entfernen, die Blätter leicht angefeuchtet in einem geschlossenen Gefäß (mit Alufolie abgedeckte Auflaufform) etwa eine Stunde bei 75°C im Backofen fermentieren | * Stiele und unschöne Teile entfernen, die Blätter leicht angefeuchtet in einem geschlossenen Gefäß (mit Alufolie abgedeckte Auflaufform) etwa eine Stunde bei 75°C im Backofen fermentieren | ||
* Folie entfernen und die Blätter bei reduzierter Temperatur trocknen bis sie sich zerbröseln lassen, in einem gut schließenden Gefäß aufbewahrt hält sich das Aroma etwa ein Jahr | * Folie entfernen und die Blätter bei reduzierter Temperatur trocknen bis sie sich zerbröseln lassen, in einem gut schließenden Gefäß aufbewahrt hält sich das Aroma etwa ein Jahr | ||
[[Category:Gehölze]] | [[Category:Gehölze]] | ||
[[Category:Rezepte]] | [[Category:Rezepte]] | ||
[[Category:Bienen]] | [[Category:Bienen]] | ||
Aktuelle Version vom 8. Februar 2026, 10:13 Uhr
Weitere Namen





Botanischer Name
»Rubus« indogermanische Wurzel reub - reißen (Strauch an dem man sich reißt), »laciniatus« lat. zerschlitzt, schlitzblättrig, Erstbeschreibung durch Carl Ludwig Willdenow (1765-1812) deutscher Botaniker
Englischer Name
Evergreen Blackberry
Familie
Rosengewächse, Rosaceae
Verbreitung
Nördliches Zentraleuropa
Wuchs
ausdauernd, kräftiger Wurzelstock, horstig, bis 5m lange Triebe bildend, stachellos, handförmig geteilte Blätter, Blattteile gezähnt, gelegentlich wieder zurückwildernd, dann stark bestachelt, Triebspitzen bewurzeln, wenn sie die Erde berühren
Standort
sonnig bis halbschattig, nahrhafter eher feuchter Boden
Blütezeit
(Juni), Juli, August, (September)
Blüte
achselständige und endständiger verzweigter Blütenstand mit mehreren fünfzähligen weißen, teilweise rosa überhauchten Blüten
Fruchtreife
August, September, Oktober (späte Früchte reifen selten aus)
Frucht
schwarze süß-aromatische Sammelfrucht, braucht genug Sonne und Wärme um auszureifen, sonst unangenehm sauer
Vermehrung
durch bewurzelte Sprossenden, Stecklinge
Frosthärte
grün überwinternd, im Frühjahr altes Laub abwerfend
Tierische Besucher
Bestäubung hauptsächlich durch Bienen und Hummeln, die Beeren sind bei Vögeln, aber auch Kleinsäugern beliebt, bleibt die Pflanze unbeschnitten bildet sie ein Dickicht, das Zuflucht und Nistgelegenheit für verschiedene Vögel bildet, einige Bienenarten bauen ihre Nester in trockene Brombeerruten, wo sie nicht stören, sollten abgestorbene Ruten stehen bleiben
Pflege
Rückschnitt nach der Ernte oder im Frühjahr, hochbinden der Triebe, auf etwa 2m gestutzte Triebe bringen eine bessere Ernte, da die Früchte an den Enden der Langtriebe häufig nicht ausreifen
Verwendbare Teile
Beeren frisch oder verarbeitet, Blätter überzähliger Neutriebe ergeben getrocknet (und eventuell fermentiert) einen leckeren Tee
Inhaltsstoffe
Vitamine, Ballaststoffe, Flavonoide, Fruchtsäuren, Mineralstoffe
Status
anwesend
Literatur
Geschichte und Geschichten
Ein bisschen ungewöhnlich sieht sie ja aus, diese Brombeere mit ihren eigenartig tief geschlitzten Blättern. Sie bildet mit den Jahren einen dichten horstigen Bestand, breitet sich nur raumgreifender aus, wenn ihre langen Triebe den Boden berühren und sich bewurzeln können. Die dornenlose Kulturform treibt pro Jahr nur eine überschaubare Zahl von neuen Ruten und lässt sich gut im Zaum halten. Gelegentlich treten aber Wildtriebe auf, die schnell beseitigt werden sollten, da sie unangenehm stachelig sind. Die von Ende Juni bis Ende August dauernde Blüte wird von vielen unterschiedlichen Bienen und Hummeln besucht. Meist dauert sie länger als die Blüte anderer Brombeerarten, was dazu führt, dass die Beeren nicht immer genug Zeit haben, um auszureifen. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, die Langtriebe deutlich einzukürzen, dadurch entstehen zwar etwas weniger Blüten, die Früchte reifen aber schneller aus. Ab Mitte September werden die Tage zu kurz und die Sonnenwärme reicht nicht mehr aus. Bereits während der Fruchtentwicklung treibt die Pflanze wieder aus, die kantigen Ruten sind am Ansatz gut zwei Zentimeter dick und wachsen sehr schnell. Die ersten zwei Meter gehen steil in die Höhe, danach bildet sich ein Bogen und nach drei bis fünf Metern senkt sich die Spitze wieder zu Boden, wenn sie nicht irgendwo aufgehalten wird. Überzählige Triebe können schon im Frühherbst weg genommen werden, dann sind die Blätter noch recht weich und lassen sich zu einem schmackhaften Tee verarbeiten. Für eine kernlose Marmelade werden die Früchte kurz erhitzt bis sie zerfallen und dann durch ein Sieb gestrichen. An den Kernen haftet dann immer noch einiges an Fruchtfleisch, das zu schade ist, um es wegzuwerfen. Die Masse kann auf ein Backpapier gestrichen bei niedriger Temperatur im Ofen getrocknet werden und ergibt mit heißem Wasser aufgegossen einen leckeren Früchtetee.
Kulinarisches
Brombeerblättertee (fermentiert)
- beim Schnitt im Sommer oder Frühherbst anfallende junge Triebe
- Stiele und unschöne Teile entfernen, die Blätter leicht angefeuchtet in einem geschlossenen Gefäß (mit Alufolie abgedeckte Auflaufform) etwa eine Stunde bei 75°C im Backofen fermentieren
- Folie entfernen und die Blätter bei reduzierter Temperatur trocknen bis sie sich zerbröseln lassen, in einem gut schließenden Gefäß aufbewahrt hält sich das Aroma etwa ein Jahr