Ackerglockenblume (Campanula rapunculoides)

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Weitere Namen

Ackerglockenblume, Austrieb (17.4.)
Ackerglockenblume, Blüte (1.7.)
Ackerglockenblume, Blüte (26.7.)
Ackerglockenblume, offene Samenkapseln (5.9.)

Rapunzel-Glockenblume

Botanischer Name

»Campanula« lat. campana - Glocke, »rapunculoides« kleine Wurzel,von lat. rapa, rapum - weiße Rübe, Erstbeschreibung durch Carl von Linné (1707-1778) schwedischer Naturforscher

Englischer Name

Creeping Bellflower

Familie

Glockenblumengewächse, Campanulaceae

Verbreitung

Wuchs

flach kriechendes Rhizom mit tiefen, erst 10cm unter der Erde beginnenden rübenförmigen Senkwurzeln (schwer zu entfernen), sehr ausbreitungsfreudig, Blätter flach am Boden ausgebreitet, langgezogen herzförmig, Rand gezähnt, Blütenstand bis 70cm hoch

Standort

sonnig bis halbschattig, normaler, eher magerer Boden

Blütezeit

Juni, Juli, (August)

Blüte

hoher einseitwendiger, meist unverzweigter Blütenstand mit etwa 2cm großen hell violetten fünfzipfeligen Glocken

Fruchtreife

September, Oktober

Frucht

mehrfächerige Porenkapsel, die Samen werden durch Wind und vorbei streifende Tiere heraus geschüttelt, Kapsel zerfällt im Spätsommer

Vermehrung

durch Aussaat oder Teilung (eigentlich nicht nötig da sehr dominant, verdrängt schwächer wurzelnde Pflanzen)

Frosthärte

Blütenstand absterbend, Blätter teilweise grün überwinternd Wurzel frosthart

Tierische Besucher

Bestäubung durch Hummeln und Bienen

Pflege

Samenstände rechtzeitig abschneiden, wenn sich die Pflanze nicht weiter ausbreiten soll

Verwendbare Teile

die in 10cm Tiefe beginnenden Rübenwurzeln lassen sich während der Herbst- und Wintermonate als Gemüse verwerten, Blüten und junge Blätter als Salatzutat

Inhaltsstoffe

Vitamin C, Inulin

Status

anwesend, Ableger vorhanden

Literatur

  • Alte Gemüsesorten S.107, Elke Achtner-Theiss, Sabine Kumm (2015)
  • Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen S.325, S.G.Fleischhauer, J.Guthmann, R.Spiegelberger (2013)
  • Nutzpflanzen in Deutschland S.446, Udelgard Körber-Grohne (1987)
  • Süchtig nach Grün S.169, Renate Hücking (2007)
  • Wildpflanzen für jeden Garten S.120, Reinhard Witt (1994)
  • kraut&rüben 8/1994, 6/2020 S.7

Geschichte und Geschichten

Die Ackerglockenblume ist ein frohwüchsiger Geselle, um nicht zu sagen, sie neigt zum Wuchern. Hat sie sich mit ihrem Standort angefreundet, so schiebt sie ein eher zartes Wurzelgeflecht in den Boden. Erst in einer Tiefe von 15 - 25cm bildet sich die rübenförmige Senkwurzel, die es schwierig macht, die Pflanze wieder los zu werden, wenn sie sich zwischen andere Stauden gesetzt hat. Mit den Jahren wird die Wurzel immer umfangreicher, bildet einen dicken Klumpen aus verschlungenen Rüben, die sich bis 50cm tief in die Erde bohren. Entsprechend gut kann die Pflanze sich auch in trockenen Lagen mit Wasser versorgen, der märkische Sandboden schreckt sie nicht. im Frühjahr erscheinen zunächst die mattgrünen breit lanzettlichen Blätter die nur knapp 15cm hoch werden und einen geschlossenen Teppich bilden. Die Blütenstände werden bis zu einem Meter hoch, je nach Alter der Pflanze und Nährstoffangebot. Von unten nach oben öffnen sich die zart violetten Glocken an den gut windfesten Stängeln. Sobald die ersten Blüten offen sind, werden sie von Hummeln angeflogen, die fast vollständig in der Glocke verschwinden, um an den tief im Innern befindlichen Nektar zu gelangen. Sie sind die Hauptbestäuber der Ackerglockenblume. Wiederum von unten nach oben welken die Blüten und nachdem sie abgefallen sind, bleiben kleine glockenförmige Samenstände übrig, deren papierdünne Trennwände spätestens im Herbst zerfallen und nur ein zartes Skelett zurücklassen. Die Samen sind dann bereits ausgefallen und im nächsten Frühjahr sprießen neue Pflänzchen. Die meisten Blätter verschwinden in der dunklen Jahreszeit, so dass der Standort der Pflanze kaum noch auszumachen ist. Unter der Erde sind die Rüben jetzt mit den Nährstoffen des Sommers gefüllt und wer will, kann zu große Bestände ausgraben und die dicken Wurzeln als Gemüse verwenden. In der Schweiz, in England und Frankreich waren die Rüben noch im letzten Jahrhundert ein gebräuchliches Gemüse, wobei die Wurzeln auch roh, wie Rettich gegessen wurden. Die heute anzutreffenden Wildbestände gehen vermutlich auf gezielten Anbau der Pflanzen zurück.