Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger)

Aus Pflanzenwiki

Weitere Namen

Schwarzes Bilsenkraut, Sämlinge (14.4.)
Schwarzes Bilsenkraut, Blüte (19.6.)
Schwarzes Bilsenkraut, unreife Samenkapseln (16.7.)

Teufelskraut, Teufelswurz, Tollkraut, Zigeunerkraut, Dullkraut, Schlafkraut

Botanischer Name

»Hyoscyamus« hys - Schwein, Sau, kyamos - Bohne (möglicherweise wegen der Ähnlchkeit der Kapsel mit einer Saubohne), »niger« lat. schwarz

Englischer Name

Belene, Henbane

Familie

Nachtschattengewächse, Solanaceae

Verbreitung

Europa, Asien, Afrika

Wuchs

zwei- bis mehrjährig, Grundrosette mit klebrig zottigen gekerbten wechselständigen Blättern, Blütenstand bis 80cm hoch, ganze Pflanze unangenehm riechend

Standort

sonnig, leichte, sandige Böden, die aber genügend Nährstoffe aufweisen sollten

Blütezeit

Juli, August, September

Blüte

trichterförmig, schmutzig gelb mit dunkler Aderung, zottig behaart, innen dunkel

Fruchtreife

September, Oktober

Frucht

zweifächerige Deckelkapsel mit 200 bis 300 kleinen hellen Samen

Vermehrung

durch Aussaat im Herbst

Frosthärte

nach der Samenreife meist absterbend, Wurzel kann geschützt überwintern

Tierische Besucher

Bestäubung durch Hummeln

Pflege

auf Schnecken achten

Verwendbare Teile

Giftpflanze, keine Selbstmedikation, bereits 10mg führen zu schweren Rauschzuständen, 50mg sind tödlich, 15 Samen töten ein Kind, die Wirkstoffe werden auch über die Haut aufgenommen, Bilsenkraut wurde als Zusatz für Bier (Pilsener) verwendet, in kleinen Mengen wirkt das Kraut krampflösend

Inhaltsstoffe

Hyoscyamin, Atropin, Scopolamin, Alkaloide, Flavonoide, Gerbstoffe

Status

im Sommer anwesend

Literatur

  • Die Kräuter in meinem Garten S.84, Siegrid Hirsch, Felix Grünberger (2008)
  • Dumonts große Kräuter-Enzyklopädie S.295, Deni Bown (1996)
  • Giftpflanzen Pflanzengifte S.413, Roth, Daunderer, Kormann (1994)
  • Großes Kräuter- und Gewürzbuch S.71, Heinz Görz (1987)
  • Hagebutte & Co. S.132, Angelika Lüttig, Juliane Kasten (2003)
  • Hexenkraut und Zaubertrank S.109, Hartwig Abraham, Inge Thinnes (1997)
  • Kölbls Kräuterfibel S.74, Konrad Kölbl (1993)
  • Kräuter S.206, Burkhard Bohne (2010)
  • New Kreüterbuch Cap.CCCXXIIII, Leonhart Fuchs (1543)
  • Schön aber gefährlich S.101, Helga Urban, Marion Nickig (2009)
  • Tod & Flora S.35, Helmut Eisendle (2009)
  • Zauberpflanzen Hexenkräuter S.207, Gertrud Scherf (2002)

Geschichte und Geschichten

Das Schwarze Bilsenkraut gehört zu den Pflanzen, die dem Leben ein vorzeitiges Ende bereiten können. Hexen und Zauberer haben mit ihr hantiert, sie ist Bestandteil der Hexensalben, die Federn oder Fell auf der Haut wachsen lassen sollten und die Weiber in wilde Tiere oder Vögel verwandelten. Das war nur eine Halluzination, aber offenbar eine so realistische, dass sie in vielen Erzählungen auftaucht und sogar Menschen verleitet hat, von Häusern oder Felsen zu springen, in der NAnahme, sie könnten fliegen. Wirkstoffe der Pflanze erzeugen auf der Haut ein Gefühl als wüchsen einem Haare oder Federn, begleitet von Rauschzuständen.

Bilsenkraut ist so hoch giftig, dass sich jedes Experiment im Grunde von selbst verbietet. Das beschreibt schon Leonhart Fuchs in seinem New Kreüterbuch von 1543. Er warnt ausdrücklich vor dem innerlichen Gebrauch, da »die grüne Bilsen bletter, der samen und saft nit nur allein den menschen sonder auch das viech doll un unsinnig machen«. Äußerlich wurde das Kraut offenbar häufiger verwendet, hauptsächlich um Schmerzen zu stillen. Das geht vom mit dem ausgedrückten Saft getränkten Tüchlein, das »über die hitzige, trieffende unnd schmertzliche augen gelegt lescht die hitz, stillt den fluß und den schmerzen derselbigen«, über die in Essig gesottene Wurzel, die »im mund ein zeit lang gehalten stillt den grossen unnd unleidlichen schmerzen der zän« bis zum Fußbad »ein fußwasser von Bilsen gemacht bringt den schlaaf«. Dabei soll die Pflanze immer »mit guter bescheydenheyt« verwendet werden.

Nicht jeder legte diese »Bescheidenheit« im Umgang mit der Pflanze an den Tag und so heißt es bei Leonart Fuchs weiter: »Das hab ich gemeldet von der landstreicher wegen, die zu zeiten ungeschickt mit den Bilsen umgehen. Aber wann ein Oberkeyt, der es zusteet ein insehen hette unnd disen lotterbuben nit gestattet allso die leut jemmerlich zu betriegen, bedürfft man solcher warnungen gar nit«.

Bei uns wächst das Bilsenkraut im Allgemeinen einjährig, die im Frühjahr ausgesäte Pflanze blüht und fruchtet im Laufe des Sommers, stirbt nach der Samenreife ab. Da Schnecken mit den für Menschen giftigen Substanzen keine Probleme haben, empfiehlt sich eine Aussaat in Töpfen und auch später müssen ausgepflanzte Exemplare bewacht werden, bis sie groß genug sind. Sonne, Wärme und genügend Nährstoffe braucht das Bilsenkraut um zu voller Schönheit heran zu wachsen. Die Blütenfarbe wirkt von Weitem immer ein bisschen schmutzig, aus der Nähe betrachtet zeigt sich aber die filigrane Maserung auf den Blütenblättern, die sich im dunklen Schlund verliert. Wie auch viele andere Nachtschattengewächse hat das Bilsenkraut einen eigenartigen eher unangenehmen Geruch, der sich bei feuchter Witterung deutlich verstärkt und dann auch wahrnehmbar ist, wenn die Pflanze gar nicht berührt wird.