Osterluzei (Aristolochia clematitis)

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Weitere Namen
Osterluzei, Austrieb (14.5.)
Osterluzei (22.5.)
Osterluzei, Blüte (22.5.)

Pfeifenblume

Botanischer Name

»Aristolochia« von lat. aristos - sehr gut, das Beste und locheios - zum Gebären gehörend, »clematitis« von gr.klematitis - an Bäumen empor rankend (die Gewöhnliche Osterluzei ist keine Rankpflanze, der Name leitet sich von anderen, rankenden, Mitgliedern der Familie her), Erstbeschreibung durch Carl von Linné (1707-1778) schwedischer Naturforscher

Verbreitung

ursprünglich im Mittelmeergebiet heimisch, hat sich die Osterluzei in ganz Mitteleuropa an warmen Standorten etablieren können, besonders in Weinbaugegenden, durch Flurbereinigungsmaßnahmen ist sie soweit zurück gedrängt worden, dass sie deutschlandweit auf der Vorwarnstufe der bedrohten Arten steht, stellenweise schon nahezu ausgerottet ist

Wuchs

ausdauernd, dicht unter der Erde verlaufendes Rhizom mit eng verflochtenen gelblichen Wurzeln, über das sich die Pflanze großflächig ausbreiten kann, meist unverzweigte aufrechte Triebe bis etwa 50cm Höhe, wechselständige herzförmige Laubblätter mit leicht wachsartiger Oberfläche, eher hell grün, Blüten in den Blattachseln

Standort

sonnig bis halbschattig, mäßig nahrhafter Boden, bildet im Laufe der Zeit über die Rhizome größere Bestände

Blütezeit

Mai, Juni

Blüte

quirlartig in den Blattachseln angeordnete kleine hell gelbe Kesselfallen-Blüten, der obere Rand der Blüte bildet eine tropfenförmige Öffnung, die in einen schmalen Schlauch führt, am unteren Ende befindet ein kugeliger Kessel, der mit Reusenhaaren ausgestattet ist, die Blüten sind vorweiblich

Fruchtreife
Frucht

länglich zwiebelförmige Kapsel mit vielen Samen, etwa 1-2cm groß, anfangs hellgrün, später dunkel abreifend, an Längsnähten aufreißend, Samen werden durch den Wind verbreitet, die Art der Bestäubung ist offenbar nur mäßig erfolgreich, Früchte werden nur selten ausgebildet

Vermehrung

durch Teilung des Rhizoms (auch kleine Stücke wachsen gut an), Aussaat, Selbstaussaat

Frosthärte

im Herbst oberirdisch absterbend, Rhizom frosthart

Tierische Besucher

der Austrieb ist bei Schnecken beliebt, die Bestäubung wird von kleinen Insekten (hauptsächlich Fliegen) übernommen, die in die Kesselfallen hineinkriechen

Pflege

kaum Pflege nötig, schneckensicherer Standort ist empfehlenswert

Verwendbare Teile

Teile der Pflanze wurden früher zur Geburtserleichterung und zum Austreiben der Nachgeburt eingesetzt, was auf Grund der giftigen Inhaltsstoffe nicht mehr praktiziert wird

Inhaltsstoffe

Aristolochia-Säure in allen Pflanzenteilen, ätherische Öle, Clematinin, Gerbstoffe

Status

anwesend

Literatur
  • Die Blüte S.287, Dieter Heß (1990)
  • Giftpflanzen Pflanzengifte S.143, Roth, Daunderer, Kormann (1994)
Geschichte und Geschichten

Die Gewöhnliche Osterluzei ist keine besonders auffällige Pflanze. Sie wächst bodennah, treibt im zeitigen Frühjahr aus und verschwindet im Herbst wieder unter der Erde. Die herzförmigen Laubblätter sind von einer dünnen wachsartigen Schicht überzogen, die das helle Grün ein wenig grau wirken lässt. Die Blätter erscheinen zusammengeklappt, breiten ihre beiden Hälften aus, wenn sie groß genug sind. Das Besondere sind die im Mai erscheinenden in den Blattachseln quirlartig angeordneten hell gelben Blüten von eigenartiger Form. Auf einem kurzen Stängel sitzt ein kugeliger Kessel aus dem ein dünner Schlauch herauswächst, der oben zunächst durch eine Naht verschlossen ist. Wenn sie aufreißt entsteht eine tropfenförmige Öffnung mit leicht zurückgeschlagenem Rand. Kleine Insekten, in erster Linie Fliegen, kriechen in die Öffnung hinein, gelangen durch den Schlauch in den Kessel und sind gefangen. Kessel und Schlauch sind mit Reusenhaaren ausgestattet, das Insekt kann nicht entkommen. Je mehr es sich bewegt, umso wahrscheinlicher wird eine Bestäubung der Blüte und erst wenn die erfolgt ist und die Pollenbehälter sich öffnen, welken die Reusenhaare. Mit Pollen beladen sucht sich die Fliege ihren Weg ins Freie. Besonders erfolgreich scheint diese Art der Bestäubung nicht zu sein, da nur wenige Früchte ausgebildet werden, aber die einzelnen Samenkapseln enthalten viele kleine Samen, die vom Wind verbreitet werden und offenbar ausreichen, um der Art ein Fortkommen zu sichern. Deutlich effektiver ist die Ausbreitung durch das dicht unter der Erdoberfläche verlaufende Rhizom. Unter günstigen Bedingungen kann so eine größere Fläche besiedelt werden.