Majoran (Origanum majoranum): Unterschied zwischen den Versionen
(15 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
Zeile 1: | Zeile 1: | ||
==== Weitere Namen ==== | ==== Weitere Namen ==== | ||
[[Datei:Majoran1.jpg|miniatur| | [[Datei:Majoran1.jpg|miniatur|450px|Italienischer Majoran, Wuchs und Blüte (6.9.)]] | ||
Gartenmajoran, Wurstkraut, Kuttelkraut, Badkraut | [[Datei:Majoran2.jpg|miniatur|450px|Italienischer Majoran, Blüte (4.10.)]] | ||
Gartenmajoran, Meyeran, Wurstkraut, Kuttelkraut, Badkraut | |||
====Botanischer Name==== | ====Botanischer Name==== | ||
»Origanum« von gr. oros - Berg und ganos - glänzend, »majoranum« sehr alter Name mit unklarer Herkunft, möglicherweise eine sprachliche Ableitung von »marjamje« oder »marjamach«, arabischen Bezeichnungen für Majoran | |||
==== Englischer Name ==== | ==== Englischer Name ==== | ||
Marjoram | |||
==== Familie ==== | ==== Familie ==== | ||
Lippenblütler, Lamiaceae | Lippenblütler, Lamiaceae | ||
====Verbreitung==== | ====Verbreitung==== | ||
Mittelmeerraum | Mittelmeerraum, ursprünglich wohl aus Indien | ||
==== Wuchs==== | ==== Wuchs==== | ||
hier einjährig, verholzend, buschiger Wuchs, kleine elliptische Blätter, Blütenstand bis 25cm hoch, ganze Pflanze intensiv duftend | hier einjährig, verholzend, buschiger Wuchs, kleine elliptische Blätter, Blütenstand bis 25cm hoch, ganze Pflanze intensiv duftend | ||
Zeile 17: | Zeile 18: | ||
Juli, August, September | Juli, August, September | ||
====Blüte==== | ====Blüte==== | ||
Scheinähren mit graugrünen Hochblättern, | Scheinähren mit graugrünen Hochblättern, winzige weiße oder zart rosa Blüten | ||
====Fruchtreife==== | ====Fruchtreife==== | ||
September, Oktober | September, Oktober | ||
Zeile 26: | Zeile 27: | ||
====Frosthärte==== | ====Frosthärte==== | ||
nicht frosthart, hier einjährige Kultur | nicht frosthart, hier einjährige Kultur | ||
====Tierische Besucher==== | |||
====Pflege==== | ====Pflege==== | ||
den Sommer über immer wieder beernten, um Blattwuchs zu fördern | den Sommer über immer wieder beernten, um Blattwuchs zu fördern | ||
Zeile 31: | Zeile 34: | ||
Blätter und Blüten als Gewürz, Tee wirkt verdauungsfördernd, hustenlindernd, appetitanregend | Blätter und Blüten als Gewürz, Tee wirkt verdauungsfördernd, hustenlindernd, appetitanregend | ||
====Inhaltsstoffe==== | ====Inhaltsstoffe==== | ||
Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherische Öle, fettes Öl | Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherische Öle (Kampfer, Borneol), fettes Öl | ||
====Status==== | ====Status==== | ||
anwesend | anwesend | ||
====Literatur==== | ====Literatur==== | ||
* Das Kräuterkulinarium S.96, Maiga Werner (2014) | |||
* Das Mythische in der Natur S.47, Stefan Demuth (2012) | * Das Mythische in der Natur S.47, Stefan Demuth (2012) | ||
* Die Kräuter in meinem Garten S.369, Siegrid Hirsch, Felix Grünberger (2008) | * Die Kräuter in meinem Garten S.369, Siegrid Hirsch, Felix Grünberger (2008) | ||
* Die Weltgeschichte der Pflanzen S.144, Wolfgang Seidel (2012) | |||
* Gewürzpflanzen S.75, ans E. und Helga Laux, Alfred Tode (1993) | |||
* Großes Kräuter- und Gewürzbuch S.190, Heinz Görz (1987) | |||
* Heilkraft aus dem Garten S.93, Wolfgang Hensel (1998) | |||
* Illustriertes Heil-, Gift- und Nutzpflanzenbuch S.216, Adelbert von Chamisso (1827) | |||
* Klassische Kräuter und Heilpflanzen S.116, Giola Romagnoli, Stefania Vasetti (1996) | |||
* Kölbls Kräuterfibel S.209, Konrad Kölbl (1993) | |||
* Köstliche Kräuter S.85, Marion Nickig, Heide Rau (1998) | |||
* Kräuter S. 158, Burkhard Bohne (2010) | * Kräuter S. 158, Burkhard Bohne (2010) | ||
* Kräuterspezialitäten S.61, Marie-Luise Kreuter (2006) | * Kräuterspezialitäten S.61, Marie-Luise Kreuter (2006) | ||
* | * New Kreüterbuch Cap.CCLIX, Leonhart Fuchs (1543) | ||
* Spaziergänge in meinem Garten S.173, Anne-Marie Koenig (1998) | |||
* Wo der Pfeffer wächst S.138, Hansjörg Küster (1987) | * Wo der Pfeffer wächst S.138, Hansjörg Küster (1987) | ||
* kraut&rüben 9/2007, 6/2008 | * kraut&rüben 9/2007, 6/2008 | ||
====Geschichte und Geschichten==== | |||
Während unser "gewöhnlicher" Gewürzmajoran im Garten als einjährige Pflanze gezogen wird, lässt sich der Italienische Majoran in Topfkultur mit etwas Glück an einem hellen warmen Standort im Haus über den Winter bringen. Dass Majoran im Grunde mehrjährig ist wird schon an den verholzenden Stängeln deutlich, in unseren Breiten ist es ihm aber einfach zu kalt. Im Topf und damit potentiell mehrjährig kann die Pflanze sich zu einem kleinen Busch entwickeln, der auch im Winter beerntet werden kann. Die im Herbst üppig blühende Pflanze kann zurück geschnitten werden um wieder mehr Blätter zu treiben, ich lasse meist einige Blüten dran, um für den Fall, dass die Überwinterung misslingt, frisches Saatgut zu Hand zu haben. Das sollte dann bereits im März im Haus ausgesät werden, denn Majoran braucht einige Zeit, um richtig los zu wachsen. Das Kraut lässt sich gut trocknen, das Aroma verstärkt sich dadurch sogar noch ein wenig. Für manche Rezepte, wie zum Beispiel Majoranbutter (sehr lecker zu Steckrübenpüree) ist frischer Majoran besser, da die Blätter dann weich sind. | |||
Schon im römischen Apicius-Kochbuch wird Majoran als eins der häufigsten Gewürze erwähnt. Nördlich der Alpen war das Kraut erst im späteren Verlauf des Mittelalters bekannter, wurde zunächst in den Klostergärten gezogen. Da es jedes Jahr neu gezogen werden musste, setzte es sich nur zögernd durch, wurde dann aber zu einer Hauptzutat von allerlei Würsten, in denen sein Geschmack die teilweise nicht gar so hohe Fleischqualität überdeckte und sie bekömmlicher machte. | |||
[[Category: Lippenblütler]] | [[Category: Lippenblütler]] | ||
[[Category: Einjährige]] | [[Category: Einjährige]] | ||
[[Category:Duftpflanzen]] |
Aktuelle Version vom 28. Januar 2024, 07:06 Uhr
Weitere Namen
Gartenmajoran, Meyeran, Wurstkraut, Kuttelkraut, Badkraut
Botanischer Name
»Origanum« von gr. oros - Berg und ganos - glänzend, »majoranum« sehr alter Name mit unklarer Herkunft, möglicherweise eine sprachliche Ableitung von »marjamje« oder »marjamach«, arabischen Bezeichnungen für Majoran
Englischer Name
Marjoram
Familie
Lippenblütler, Lamiaceae
Verbreitung
Mittelmeerraum, ursprünglich wohl aus Indien
Wuchs
hier einjährig, verholzend, buschiger Wuchs, kleine elliptische Blätter, Blütenstand bis 25cm hoch, ganze Pflanze intensiv duftend
Standort
sonnig, nahrhafter Boden
Blütezeit
Juli, August, September
Blüte
Scheinähren mit graugrünen Hochblättern, winzige weiße oder zart rosa Blüten
Fruchtreife
September, Oktober
Frucht
kleine Samen in Papierhülle
Vermehrung
durch Aussaat im Frühjahr
Frosthärte
nicht frosthart, hier einjährige Kultur
Tierische Besucher
Pflege
den Sommer über immer wieder beernten, um Blattwuchs zu fördern
Verwendbare Teile
Blätter und Blüten als Gewürz, Tee wirkt verdauungsfördernd, hustenlindernd, appetitanregend
Inhaltsstoffe
Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherische Öle (Kampfer, Borneol), fettes Öl
Status
anwesend
Literatur
- Das Kräuterkulinarium S.96, Maiga Werner (2014)
- Das Mythische in der Natur S.47, Stefan Demuth (2012)
- Die Kräuter in meinem Garten S.369, Siegrid Hirsch, Felix Grünberger (2008)
- Die Weltgeschichte der Pflanzen S.144, Wolfgang Seidel (2012)
- Gewürzpflanzen S.75, ans E. und Helga Laux, Alfred Tode (1993)
- Großes Kräuter- und Gewürzbuch S.190, Heinz Görz (1987)
- Heilkraft aus dem Garten S.93, Wolfgang Hensel (1998)
- Illustriertes Heil-, Gift- und Nutzpflanzenbuch S.216, Adelbert von Chamisso (1827)
- Klassische Kräuter und Heilpflanzen S.116, Giola Romagnoli, Stefania Vasetti (1996)
- Kölbls Kräuterfibel S.209, Konrad Kölbl (1993)
- Köstliche Kräuter S.85, Marion Nickig, Heide Rau (1998)
- Kräuter S. 158, Burkhard Bohne (2010)
- Kräuterspezialitäten S.61, Marie-Luise Kreuter (2006)
- New Kreüterbuch Cap.CCLIX, Leonhart Fuchs (1543)
- Spaziergänge in meinem Garten S.173, Anne-Marie Koenig (1998)
- Wo der Pfeffer wächst S.138, Hansjörg Küster (1987)
- kraut&rüben 9/2007, 6/2008
Geschichte und Geschichten
Während unser "gewöhnlicher" Gewürzmajoran im Garten als einjährige Pflanze gezogen wird, lässt sich der Italienische Majoran in Topfkultur mit etwas Glück an einem hellen warmen Standort im Haus über den Winter bringen. Dass Majoran im Grunde mehrjährig ist wird schon an den verholzenden Stängeln deutlich, in unseren Breiten ist es ihm aber einfach zu kalt. Im Topf und damit potentiell mehrjährig kann die Pflanze sich zu einem kleinen Busch entwickeln, der auch im Winter beerntet werden kann. Die im Herbst üppig blühende Pflanze kann zurück geschnitten werden um wieder mehr Blätter zu treiben, ich lasse meist einige Blüten dran, um für den Fall, dass die Überwinterung misslingt, frisches Saatgut zu Hand zu haben. Das sollte dann bereits im März im Haus ausgesät werden, denn Majoran braucht einige Zeit, um richtig los zu wachsen. Das Kraut lässt sich gut trocknen, das Aroma verstärkt sich dadurch sogar noch ein wenig. Für manche Rezepte, wie zum Beispiel Majoranbutter (sehr lecker zu Steckrübenpüree) ist frischer Majoran besser, da die Blätter dann weich sind.
Schon im römischen Apicius-Kochbuch wird Majoran als eins der häufigsten Gewürze erwähnt. Nördlich der Alpen war das Kraut erst im späteren Verlauf des Mittelalters bekannter, wurde zunächst in den Klostergärten gezogen. Da es jedes Jahr neu gezogen werden musste, setzte es sich nur zögernd durch, wurde dann aber zu einer Hauptzutat von allerlei Würsten, in denen sein Geschmack die teilweise nicht gar so hohe Fleischqualität überdeckte und sie bekömmlicher machte.