Gemeine Ochsenzunge (Anchusa officinalis)

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Weitere Namen

Liebäugelein

Gemeine Ochsenzunge, Blütenknospen (20.4.)
Gemeine Ochsenzunge, Blüte (14.9.)
Gemeine Ochsenzunge, Samen
Botanischer Name

»Anchusa« von lat.anchusa - eine rotfärbende Wurzel, »officinalis« in Apotheken erhältliche heilende Zubereitung, Erstbeschreibung 1753 durch Carl von Linné

Englischer Name

Common Bugloss, Common Alkanet

Familie

Raublattgewächse, Boraginaceae

Verbreitung

Ost- und Mitteleuropa, in westlichen und nördlichen Gegenden eingeschleppt, in Höhenlagen bis etwa 2300m

Wuchs

zweijährig bis kurzlebig ausdauernd, kräftige, außen dunkle Pfahlwurzel, Laubblätter schmal, borstig behaart, auf dem Boden aufliegende Rosette, im zweiten Jahr (selten schon im ersten) mehrtriebiger Blütenstand

Standort

sonnig, eher trockene mäßig nährstoffreiche Böden

Blütezeit

(Mai), Juni, Juli, August, September, Oktober, (November), (Dezember)

Blüte

schneckenförmig aufgewickelter Blütenstand, der sich scheinbar endlos verlängert, Stängel bis zu den Blüten belaubt mit kleiner werdenden rau behaarten schmalen Blättern, auch die Knospen sind rau behaart, nach dem Öffnen der Kelchblätter sind die noch geschlossenen Kronblätter zunächst rötlich, die offenen Blüten sind intensiv blau oder violett (selten rosa oder weiß)

Fruchtreife

Juli, August, September, Oktober, November

Frucht

offener Kelch mit maximal 4 Samen, 2-3mm lang, tropfenförmig mit rauer Oberfläche

Vermehrung

Aussaat direkt nach der Samenreife, Selbstaussaat

Frosthärte

die Rosetten sind frosthart, überwintern meist grün, frieren nur bei anhaltendem Kahlfrost zurück, späte Blütenstände halten kurzfristig leichte Minusgrade aus

Tierische Besucher

Bestäubung durch Honigbienen, verschiedene Hummelarten, die Samen werden unter anderem von Ameisen verbreitet

Pflege

kaum Pflege nötig, bei passendem Standort säen sich die Pflanzen zuverlässig selbst aus

Verwendbare Teile

Blätter von Jungpflanzen in geringer Menge im Salat, Blüten als Dekoration

Inhaltsstoffe

Pyrrolizidinalkaloid Lycopsamin, Laburnin, Acetyllaburnin, Alantoin, Cholin, Flavonoide

Status

anwesend

Literatur
  • Die Kräuter in einem Garten S.425, Siegrid Hirsch, Felix Grünberger (1999)
  • Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen S.38, Karl Hiller, Matthias F. Melzig (2010)
Geschichte und Geschichten

Die Ochsenzunge ist keineswegs gemein, wie der Name vermuten ließe, sie ist aber an halbwegs naturbelassenen Orten fast allgegenwärtig und daher (all)gemein. Die flach ausgebreiteten Rosetten finden sich an Wiesenrändern ebenso wie zwischen Steinfugen und auf Ruderalflächen. Im Jungstadium sind sie recht unauffällig, wachsen aber gerne an Stellen, wo sie kein höherer Bewuchs stört. Bei guter Versorgung kann die Rosette einen Durchmesser von gut einem halben Quadratmeter erreichen, meist bleibt sie kleiner. Die zu den Raublattgewächsen gehörende Ochsenzunge wächst meist zweijährig, im ersten Jahr bildet sich nur eine Blattrosette, im zweiten Jahr der Blütenstand. Diese Regel ist aber nicht unumstößlich. So können einzelne Pflanzen durchaus schon im ersten Jahr blühen, andere lassen sich zwei oder drei Jahre Zeit. Während die meisten Pflanzen nach der Blüte absterben, bleiben immer wieder Exemplare über mehrere Jahre erhalten, werden mit der Zeit immer prächtiger. Wenn die Rosette sich bereit macht, ihren mehrtriebigen Blütenstand in die Höhe zu schieben, so geht das erstaunlich schnell. Der Stängel mit rauen kleinen Blättern besetzt, die sich schützend um die Triebspitze legen. Auch die Knospen sind borstig behaart, an ihren schneckenartig aufgewickelten Stängeln. Einzig die Kronblätter sind unbehaart. Die geschlossene Knospe ist eher rötlich, die ausgebreiteten Blütenblätter sind intensiv blau oder violett. Selten finden sich Exemplare mit rosa oder weißen Blüten. Hummeln und größere Bienenarten sind schnell zur Stelle, kleinere Insekten haben keine Chance, an den Nektar zu gelangen, da der durch Hohlschuppen im Kelch geschützt ist. Die anfangs eng beieinander stehenden Blüten teilen sich in mehrere »Äste«, die sich verlängern und an ihren Enden immer wieder neue Knospen hervorbringen.