Topinambur (Helianthus tuberosum)

Aus Pflanzenwiki

Weitere Namen

Topinambur, Austrieb (20.7.)
Topinambur, Blüte in 3 Meter Höhe (26.10.)
Topinambur, Blüte (20.10.)
Topinambur, essbare Speicherknollen (14.1.)

Erdbirne, Erdartischocke, Ewigkeitskartoffel, Indianerknolle, Knollige Sonnenblume

Botanischer Name

»Helianthus« gr. helios - Sonne, anthos - Blume, Blüte, »tuberosus« knollig, Erstbeschreibung durch Carl von Linné (1707-1778) schwedischer Naturforscher

Englischer Name

Jerusalem Artichoke

Familie

Korbblütler, Asteraceae

Verbreitung

Nordamerika, im Jahr 1607 gelangten erste Knollen nach Frankreich

Wuchs

ausdauernd, aus je nach Art relativ großen Speicherknollen wachsen bis zu 3m hohe Stängel mit weißem Mark, ganze Pflanze rau behaart, Blätter breit lanzettlich bis herzförmig, am Rand gezähnt, Blütenstände im oberen Bereich in den Blattachseln

Standort

sonnig, nährstoffreicher Boden

Blütezeit

Oktober, November

Blüte

kleines halbkugeliges Körbchen, gelbe Zungenblüten

Fruchtreife

November, Dezember (wird so gut wie nie erreicht, da die Pflanze vorher erfriert)

Frucht

kleine hartschalige Kerne, ähnlich wie Sonnenblumenkerne

Vermehrung

durch Wurzelknollen

Frosthärte

Pflanze stirbt beim ersten Frost ab, wegen der späten Blüte hier so gut wie nie Samenbildung, unterirdische Teile frosthart

Pflege

im Winter auf 30cm einkürzen (um die Pflanzen zur Ernte wiederzufinden), Ausbreitungsdrang beachten

Verwendbare Teile

Speicherknollen im Winter als Gemüse roh oder gekocht, vorsichtig genießen, da stark blähend, wird insulinunabhängig verdaut (Diabetiker- Gemüse), junge gebleichte Sprosse (anhäufeln) als Gemüse, Zungenblüten als Dekoration oder Beigabe zu Kräuterquark und -butter

Inhaltsstoffe

Kalzium, Eisen, Vitamine B1 B2 C, Karotin, Eiweiß, Kohlenhydrate, Inulin (bis 18%), Polyphenole

Status

anwesend, Ableger vorhanden

Literatur

  • Alte Gemüse neu entdeckt S.97, Joachim Mayer (2018)
  • Alte Gemüsesorten S.127, Elke Achtner-Theiss, Sabine Kumm (2015)
  • Berliner Pflanzen S.52, Heiderose Häsler, Iduna Wünschmann (2009)
  • Der neugierige Gärtner S.164, Jürgen Dahl (1998)
  • Die Kräuter in meinem Garten, Siegrid Hirsch, Felix Grünberger (2008)
  • Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen S.216, S.G.Fleischhauer, J.Guthmann, R.Spiegelberger (2013)
  • Handbuch Samengärtnerei S.198, Andrea Heistinger (2004)
  • Illustriertes Heil-, Gift- und Nutzpflanzenbuch S.241, Adelbert von Chamisso (1827)
  • Homegrown Revolution S.142, James Wong (2012)
  • Neue Nachrichten aus dem Garten S.11, Jürgen Dahl (1987)
  • Wintergemüse anbauen S.124, Burkhard Bohne (2018)
  • kraut&rüben 11/1994, 9/1999, 11/2002, 12/2007 S.25, 11/2008, 4/2009 S.39, 12/2018 S.20, 11/2020 S.55

Geschichte und Geschichten

Topinambur ist mit der Sonnenblume verwandt, stammt wie diese aus Amerika. Anders als die Sonnenblume ist Topinambur ein ausdauerndes Gewächs und zwar eins mit einnehmendem Wesen. Wo die Pflanze sich einmal eingelebt hat, breitet sie sich so schnell aus, dass mit der Ernte kaum hinterher zu kommen ist. Im Mai erscheinen die jungen Triebe, sehen bis Mitte des Sommers noch eher übersichtlich aus. Je nach Sorte werden sie dann bis zu drei Meter hoch und bilden einen guten, recht windstabilen Sichtschutz. Manche Sorten blühen schon im September, andere erst im Oktober oder gar November. Hoch oben leuchten dann die gelben Korbblüten, die sich gut in Sträußen machen. Kommen erste Fröste dazwischen, fällt die Blüte aus, denn dann erfriert der oberirdische Teil der Pflanze. Unterirdisch wird sie jetzt erst interessant. Im Laufe des Sommers sind die gesammelten Nährstoffe in die ausdauernden Speicherknollen gewandert und haben sie anschwellen lassen. Solange der Boden offen ist, kann den ganzen Winter über geerntet werden. Die toten Stängel sollten zumindest zum Teil stehen bleiben, um die Wurzeln besser finden zu können. Die Stängel können im Frühjahr in etwa zwanzig Zentimeter lange Stücke geschnitten und gebündelt als Insektenbrutstätte an einem trockenen Ort aufgehängt werden.Die kartoffelgroßen dünnschaligen Speicherknollen können roh oder gekocht verarbeitet werden, schmecken leicht nussig und lassen sich vielseitig verwenden. Vorsicht ist geboten bei empfindlicher Verdauung, Topinambur kann böse Blähungen verursachen. Andererseits wird er insulinunabhängig verdaut, ist also für Diabetiker gut geeignet. Langsame Gewöhnung soll helfen, die Blähungen zu vermeiden, das käme auf den Versuch an.

Topinambur lässt sich auch im Topf kultivieren, der sollte groß genug sein und eher aus Kunststoff bestehen, da die wachsenden Knollen einen Tontopf sprengen können. Wird die Pflanze auf dem Balkon zu hoch, kann sie einfach eingekürzt werden. Im Winter haben sich die Knollen der Rundung des Gefäßes angepasst und können direkt in den Kochtopf umgesiedelt werden...

Der Name Topinambur bezieht sich auf den Indianerstamm der Toupinambautli, auf deren Territorium an der Atlantikküste Nordamerikas die Pflanzen entdeckt wurden. Sie wurden »Heliotropium tuberosum ex Toupinambautli« genannt. Die Ortsbezeichnug wurde von zwei Garteningenieuren als Artname betrachtet und hat sich bis heute gehalten.

Kulinarisches

Topinambursalat mit Birnen und Orangen

  • 500 g Topinamburknollen
  • 3 Orangen
  • 1 große Birne
  • 3 El Walnussöl
  • 50 g gehackte Walnüsse
  • 1 Prise Salz

Zubereitung

  • Die Topinamburknollen gründlich reinigen, eventuell schälen und grob raspeln
  • Orangen mitsamt der weißen Unterhaut schälen und die Filets herausschneiden, den Saft ausdrücken und auffangen
  • Birne schälen und in kleine Stücke schneiden
  • Walnussöl und Salz zugeben, alles miteinander vermischen, mit den gehackten Walnüssen bestreuen
  • Sollten die Orangen zu süß sein, noch etwas Zitronensaft zugeben